Kugel werfen statt Kegeln
Südlohn 30 Jahre – das ist ein Alter, in dem kann man sich durchaus noch mal ganz neu orientieren. Das haben sich vermutlich auch die acht Mitglieder des Kegelclubs „Die Schlenzer“ gesagt.
Besagter Club ist nämlich nun gerade diese ominösen 30 Jahre alt geworden. Und da haben sich der amtierende Präsident Josef Demes, die Gründungsmitglieder Karl-Heinz Tenbrake und Hubert Stenert, auch der Vereinswirt und Kegelbruder Josef Nagel sowie die übrigen Aktiven wohl gesagt: „Lasst uns doch mal etwas ganz anderes machen."
Herausgekommen dabei ist der „1. Südlohner Boule-Club“. Die Herren geben sich also auch weiterhin die Kugel – allerdings schieben sie nun eine eindeutig ruhigere. Das heißt: „Geschoben“ werden die kleinen schweren Metallkugeln beim südfranzösischen Nationalsport eben nicht sondern geworfen. Und dabei gilt es, möglichst dicht an eine wesentlich kleinere einzelne Kugel heran zu werfen. Wer am nächsten heran kommt, hat den Durchgang gewonnen – grob gesagt.
Josef Demes, der Präsident der „Schlenzer“, war bereits privat Boule-vorbelastet. „Ich hatte das in Nizza gesehen und hab es im Kopf importiert“, gesteht er schmunzelnd. Und weil ihn das nicht mehr los ließ, hat er sich seine private Boule-Bahn in den heimischen Garten gebaut – wo auch seine Kegelbrüder allmählich auf den Geschmack kamen.
Josef Nagel, Gastwirt, Hotelier und bis dato überzeugter Kegler, hat dann den einzig logischen Schritt getan, wie er sagt: „Am 1. Mai diesen Jahres haben wir unsere vereinseigene Bahn eröffnet.“ Sitzt man im Nagelschen Biergarten, kann man einen Blick darauf werfen: eine rechteckige Anlage in den Maßen 15 mal vier Meter, mit feinem dunklen Kies ausgelegt und mit einer edlen Holzumrandung. Drei wasserdurchlässige Schichten verhindern Pfützenbildung auf der Bahn – alles genau nach den internationalen Regeln. Alle vier Wochen treten die Herren nun an zum Boulen. Aber man hat längst Blut geleckt und mit dem renommierten Boule-Club in Anholt Kontakt aufgenommen. Josef Nagel: „Die haben früher mal in einer Elite-Klasse gespielt und sind jetzt in die Hobby-Liga abgestiegen.“
Und dahin wollen die „Schlenzer“ natürlich in absehbarer Zeit. Das Duell mit den Anholtern wäre so eine Art Standortbestimmung. „Und dann können wir auch mal dran denken, gegen die Ramsdorfer, die Velener und Groß-Rekener spielen“, gibt sich Josef Demes optimistisch.
In den genannten Orten scheint der Boule-Virus ebenfalls angekommen zu sein. Und Josef Nagels Hotelgäste haben die Bahn am Biergarten auch längst entdeckt. Bei gutem Wetter ist dort nun ständig Betrieb. Der Gastwirt ist damit absolut einverstanden: „Wer spielen will, soll sich bei mir melden. Kugeln werden auch zur Verfügung gestellt.“ *geo
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